Textilgarn aus T-Shirts selbst herstellen

Sich eigenes Textilgarn aus T-Shirts herzustellen ist relativ simpel. Es geht schnell und ist eine nachhaltige Weiterverwendung untragbar gewordener Kleidung. Hier erfahrt ihr einmal, wie es geht und ich zeige euch zudem ein paar Beispiele, was ihr daraus zaubern könnt.

T-Shirts werden oft an den Achseln als erstes unansehnlich. Manche leiern auch gerne am Kragen aus und bringen in solch einem Fall keinen Spaß mehr beim Tragen. Deshalb ist es eine großartige Lösung, sich aus dem eigentlich noch guten Mittelteil eines solchen Kleidungsstückes Textilgarn herzustellen. Wer es super nachhaltig mag, zerschnippelt sich zusätzlich die Reste aus dem oberen Teil des Shirts zu kleinen Stofflappen, welche super zum Putzen geeignet sind.

So macht ihr euch aus alten T-Shirts Textilgarn selbst

Für eine lange Schnur Textilgarn am Stück legt ihr das T-Shirt glatt auf euren Arbeitsbereich und schneidet mit einer Schere knapp unter den Ärmeln den oberen Teil sowie den unteren Bund ab. Für die Schnur braucht ihr nur den mittleren quadratischen Teil. 

Mit Kreide zeichnet ihr alle 3 cm eine Markierung am Rand ein und schneidet das T-Shirt-Quadrat, (der Stoff liegt immer noch doppelt) entsprechend den Markierungen, in Streifen. Schneidet aber nicht ganz bis zum Ende (!), sondern stoppt 2 cm vorher. 

Anschließend hängt ihr euch die geschlossene Seite des Stoffes über einen Arm. Die Streifen hängen vorn und hinten herunter. Schneidet zunächst an der oben liegenden Kante diagonal von Streifen eins zu Streifen zwei und so immer weiter. So entsteht ein langes Textilgarn. Zieht ein wenig an dem entstandenen Stoffstreifen, während ihr ihn aufwickelt, dann verdrillt er sich, wird länger und rundlicher. 

Beispiele für die abwechslungsreiche Verwendung von Textilgarn

Mit Textilgarn könnt ihr stricken, häkeln, weben, knoten und vieles mehr. Die Möglichkeiten sind mannigfaltig. In den folgenden Bildern zeige ich einige Beispiele dafür, die hier innerhalb der letzten Jahren aus Textilgarn entstanden sind.

Die gestrickte Statementkette mit XXL-‚Perle‘ aus einem Kupferrohr-Rest (das Statement heißt hier ganz klar und deutlich Upcycling) ist mein aktueller Liebling. Auch praktische Helfer wie ein großer gehäkelter Aufbewahrungskorb sind mit Textilgarn möglich (ja, hier im Zobelnest trägt jemand fast ausschließlich schwarze Shirts, derer ich mich immer wieder gerne annehme, um ihnen ein zweites Leben einzuhauchen).

Auch dekorative Elemente wie eine Makramee-Blumenampel mit Avocado-DipDye für die großen oder ein farbenfroher gewebter Puppenhaus-Teppich für die kleinen DIYler unter euch können durchaus mit Textilgarn aus alten Shirts hergestellt werden.

Hättet ihr gedacht, dass Textilgarn und XXL-Strickmühle super Freunde sind? Mit ihnen lassen sich fatzfatz überdimensionierte Schläuche stricken, die ihr über Flaschen, Papprollen und Co. zieht und diesen somit ein neues Outfit verpasst.

Textile 'Blumenvasen' in gelb und lachsfarben, mit Trockenblumen darin.
Blumenvasen aus Papprollen & Textilgarn.

Wer von euch zweifelt jetzt noch an den schier unendlichen Möglichkeiten dieses Materials?


Weitere textile DIY-Ideen

Buchtipp: „Natürlich Makramee“

16 Projekte für ein schönes Zuhause mit nachhaltigen Färbetechniken

Makramee und natürlich gefärbtes Garn harmonieren einfach perfekt zusammen. In diesem Buch findet ihr eine stimmige Auswahl an unterschiedlichsten Knüpf-Projekten, die auch für Anfänger leicht umzusetzen sind. Auch findet sich darin eine Kurzanleitung zum Färben mit Naturmaterialien.

Isabella Strambio

EMF Verlag

ISBN: 978-3-7459-0492-5

Preis: 20,00 Euro

128 Seiten

Hardcover

Link zum Buch auf der Verlagsseite

Das Buch

Das Buch beginnt mit ein paar einleitenden Worten zur Autorin, zum Buch, zum Makramee an sich (also Material, Hilfsmittel und idealer Arbeitsplatz). Und schon geht es los mit dem Thema ‚Knoten‘. Je Knoten-Art gibt es eine kurze bebilderte und erläuternde Erklärung, gefolgt von weiteren kurzen Tipps zum Thema.

Darauf folgt der Färbeteil, welcher gerne noch ausführlicher hätte sein können. Drei Doppelseiten, davon zwei einzelne Seiten für große Bilder. Bleiben nur noch zwei Doppelseiten. Für den Anfang reicht es aber, da hier das Prinzip des Färbens mit Pflanzenmaterial immer gleich ist und einfach nur andere Zutaten genommen werden. Ihr findet also eine allgemeine Anleitung zum Färben sowie eine Liste mit verschiedenen Färbematerialien (Pflanzen / Pflanzenteile) und welche Farbe diese ergeben.

Darauf folgen die Projekte. Hierbei handelt es sich um verschiedene Objekte von kleiner über mittlerer bis hin zu aufwendigerer Umsetzung: diverse Wandbehänge, Lampenschirm, Kissenbezug, Vorhang für die Tür, Tischläufer, Teelicht… das alles könnt ihr im Buch entdecken.

Das Buch.

Mein Projekt

Einfach machen!

Endlich habe ich eine Blumenampel!! Seit bestimmt zwanzig Jahren besitze ich eine Knüpfanleitung für eine Blumenampel – eine mittlerweile superalte Kopie aus einem Buch. Dafür brauchte ich jedoch: bestimmte Holzkugeln, bestimmte Holzringe, wirklich viel Seil… Aus dem Projekt wurde nie etwas, obwohl ich mittlerweile sogar alle Holzperlen und -ringe zusammen hatte, aber es fehlte immer noch die große Menge an Seil. Denn für viele Makramee-Projekte braucht man schon recht viel davon und da bei mir fast alles aus Materialien entsteht, die ich da habe, die ich finde, die ich gespendet bekomme… ist solch eine Arbeit dann doch eher schwierig umzusetzen. In diesem Buch nun habe ich eine sehr ähnliche Blumen-Ampel gefunden, die etwas kleiner ausfällt und auch keine Holzperlen braucht, und vor allem: ich mir mittlerweile zutraue von Vorgaben abzuweichen… 😉

Meine erste selbst-geknüpfte Blumenampel.

Natürlich Upcycling

In der Anleitung stand, dass dieses Projekt nur 1 1/2 Stunden braucht. Und mein Seilproblem habe ich mittlerweile so gelöst: Schnur aus alten T-Shirts! Zu Beginn maß ich, ob mein Material reichen wird (die Schnur von zwei weißen Shirts war absolut ausreichend) und schon ging es los. Die Pikots aus der Anleitung habe ich weggelassen, da ich es ohne schlichter und eleganter fand. Die Idee, die Enden im Nachhinein zu färben reizte mich total. Hier habe ich mich für eine Avocado-Färbung entschieden, da ich mit dieser schon Erfahrungen gesammelt habe und ein riesengroßer Fan davon bin.

Mit dem Projekt war ich wirklich sehr schnell fertig und die Färbung – bei der auch die letzten Reste des T-Shirt-Garns im Topf landeten – klappte gut. Aus den T-Shirt-Resten könnt ihr euch noch super schnell mehrere Schlüsselanhänger knoten und somit alles sinnvoll verbrauchen.

Und was für ein schönes Ergebnis, oder? Es ist eine kleine zierliche Blumen-Ampel geworden, in der sich mein Weckglas (Glascontainer-Fund!) sehr wohl fühlt und nun richtig gut zur Geltung kommt.

Blumenampel mit Weckglas statt Blumentopf.

Hätte ich gewollt, hätte ich meine uralt-Anleitung mit diesem Buch sogar 1:1 nachbauen können. Hat man einmal die Synonyme für alle Knoten herausgefunden kann man die Knoten-Erklärungen aus dem Buch auch für jede andere Anleitung benutzen. Top! Gefehlt hat hier nichts.

Fazit:

Ein sehr schön gestaltetes Buch für den Einstieg in die Makramee-Technik. Schlichte, aber wirklich sehr schöne Bilder machen Spaß aufs Knoten! Absoluter Boho-Style.

Das Buch von hinten.

Färben mit Naturmaterialien

Wer wie ich mehr über das Färben mit Naturmaterialien mit all seinen Kniffs und Tricks erfahren möchte, schaut sich gerne einmal diesen Buchtipp von mir an: